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Ich hatte einen Traum

Angelika Gentgen - 15.05.1994

Ich hatte einen Traum.

Ich saß auf einer Schallplatte und war käfergroß.

Die Scheibe drehte sich ganz langsam und ich mich mit ihr. Ich fühlte mich wohl, schaute mal rechts und mal links. Ich sah, dass das alte Grammophon nicht nur eine Kurbel besaß, sonderen es waren rundherum viele Kurbeln angebracht. Doch nur an einer stand jemand, ein Fremder. Er lächelte und drehte ganz vorsichtig und beobachtete mich dabei. Ich lächelte auch. So ging das eine ganze Weile.

Dann kam ein weiterer Fremder. Er stellte sich auch an die Kurbeln und fing an zu drehen. Die Scheibe drehte sich nun ungleichmäßiger und schneller. Aber, mir gefiel auch das.

Dann kam der nächste Fremde. Jetzt hatte ich keine Zeit mehr rechts und links zu gucken. Ich suchte einen Haltegriff, fand aber nichts. Mir wurde schwindelig.

Als der nächste Fremde kam, waren bis auf eine Kurbel, alle anderen besetzt.

Die Scheibe drehte sich immer schneller, immer schneller. Ich wusste, ich würde mich nicht mehr lange auf ihr halten können. Ich hatte Angst, große Angst. Würde ich mich verletzten beim Herunterfallen? Was erwartete mich da draußen, außerhalb der Scheibe?

Die Fliehkraft trug mich in hohem Bogen hinaus, gerade dort, wo sich die Lücke befand.

Ich fiel auf harten Steinfußboden. Ich war verletzt, sehr verletzt sogar. Aber, ich spürte, mein Lebenswille war stark.

Ich kroch in eine Ecke des Zimmers.
Dort würden meine Wunden heilen können.


Wie erleichtert war ich, der Scheibe entronnen zu sein!





Über das Gedicht

Veröffentlicht: 12.04.2004
Kategorie: Nachdenkliches

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