Auf-/zuklappen

Nein, diesmal reg ich mich nicht drüber auf!

Angelika Gentgen - 05.07.2006

Einmal in der Woche lass ich mich durchkneten, meine Bildschirmschreibtischmuskelverspanntehaut weich klopfen.

Schon seit Monaten massiert mich immer derselbe junge Mann.
Es läuft immer nach dem gleichen Schema ab.

Ich liege bereits wohlig vor mich hinseufzend auf der Massagebank.
Er kommt rein. Ich frage IHN: "Na, wie geht es Ihnen?"
Dann erzählt er mir ein bißchen von sich.

Wenn ich Glück habe fragt er sogar mich: "Und, wie geht es Ihnen?"
Dann halten wir ein bißchen Small-talk.

Und so-und-so-oft fragt er mich: "Was machen Sie nochmal beruflich?"
"In welchem Ort arbeiten Sie nochmal?"

Und ich merke dann, wie ich - innerlich selbstverständlich - anfange zu kochen. Und dann antworte ich ihm auch noch jedesmal ganz freundlich.

Also, beim nächsten Mal, beim nächsten Mal bestimmt, da werd ich ihn mal fragen, ob ich denn wirklich nur SO eine Nummer für ihn bin, dass er sich selbst diese Infos nicht merken kann.

Wenn ich ja wie ein Wasserfall reden würde, dann könnt ich`s ja noch irgendwo nachvollziehen.
Dabei hat er noch nicht einmal einen Fulltimejob, also garnicht sooo viele Patienten.

Und immer wenn er zur Tür hinaus geht, während ich noch liege und ich kurz meinen Kopf hebe und von ihm nur ein Paar behaarter Beine in Socken und Turnschuhen sehe, dann denke ich "Junge, jetzt in der Sekunde, wo Du die Tür aufmachst und Dich wieder nach draußen in die restliche Massagewelt begibst, hast Du mein kleines Licht schon wieder vergessen!"

Wär ich 20 Jahre jünger, wüsst er wahrscheinlich, wie oft ich tanke, wann ich mir die Nase putze, ob meine Mandeln neulich entzündet waren u-es-we, und das auch nächste Woche noch.





Über das Gedicht

Veröffentlicht: 06.07.2006
Kategorie: Wut & Hass

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